Der Kreditzugang in Deutschland hängt enger mit dem monatlichen Einkommen zusammen, als man vermuten würde. Eine aktuelle Analyse von Better Compared DE zeigt, welche Einkommensgruppen am häufigsten Kreditangebote wahrnehmen – und welche Zielgruppen auffallend unterrepräsentiert sind.

Einkommensschwellen als Zugangshürde
Die Auswertung der Kreditaufnahmen nach monatlichem Einkommen im Zeitraum vom 1. Juni 2024 bis zum 30. Juni 2025 zeichnet ein klares Bild: Personen mit einem Einkommen zwischen 2.500 und 3.500 EUR stellen mit 30,75 % den höchsten Anteil der Kreditnehmer. Allein 16,18 % der Anträge kamen aus der Gruppe 3.000–3.500 EUR-Verdiener, dicht gefolgt von den 2.500–3.000 EUR-Verdienern mit 14,57 %. Besonders auffällig ist jedoch, dass Personen mit einem Einkommen unter 1.500 EUR lediglich 7,34 % aller Kreditanträge ausmachten.
Noch geringer fällt der Anteil bei sehr hohen Einkommen aus: Nur 3,41 % der Antragsteller verfügten über mehr als 6.000 EUR monatlich. Der mittlere Einkommensbereich – zwischen 2.000 EUR und 4.000 EUR monatlich – dominierte den Markt mit über 55 % aller Anträge.
Arbeitsverhältnis als entscheidender Einflussfaktor
Nicht nur das Einkommen, sondern auch die Art des Beschäftigungsverhältnisses spielt eine zentrale Rolle. So stammen 61,69 % aller Kreditanträge von Personen mit regulärem Gehalt, weitere 20,32 % von Beschäftigten mit Arbeitsverträgen auf Lohnbasis. Selbstständige (Honorar: 3,78 %) oder Rentner:innen (7,41 %) sind deutlich seltener vertreten.
Diese Verteilung verweist auf die Risikobewertung der Kreditgeber, die offentsichtlich ein stabiles Einkommen bevorzugen. Personen in prekären Arbeitsverhältnissen wie Zeitarbeit (0,70 %) oder mit Leistungen wie Krankengeld (0,94 %) stellen einen deutlich geringeren Teil der Antragsteller dar.

Regionale Unterschiede – starke Nachfrage aus NRW und Bayern
Auch geografisch gibt es Unterschiede. Nordrhein-Westfalen (22,26 %) und Bayern (15,30 %) stellen zusammen mehr als ein Drittel aller Kreditnehmer. Die Schlusslichter bilden Bremen mit nur 0,85 % und das Saarland mit 1,36 %.
Diese Unterschiede lassen sich teilweise durch die Bevölkerungsdichte, aber auch durch die wirtschaftliche Struktur des jeweiligen Bundeslands erklären.

Soziale Demografie – junge Männer dominieren
62,73 % der Kreditnehmer sind männlich, lediglich 37,27 % weiblich.

Bezüglich des Alters der Kreditnehmer zeigen die Daten einen deutlichen Trend: Personen zwischen 18 und 39 Jahren machen fast 60 % aller Anträge aus – dabei stechen insbesondere die Altersgruppen der 18–29-jährigen (29,05 %) und 30–39-jährigen (29,16 %) hervor. Personen über 60 sind hingegen kaum aktiv (insgesamt nur 7,51 %).

Ein weiterer interessanter Faktor: 90,4 % der Antragsteller besitzen keine Immobilie.

Verwendungszweck – Kredite oft frei verwendet
Die mit Abstand häufigste Verwendung für Kredite ist die „Freie Verwendung“ mit 62,95 % aller Fälle. Weitere nennenswerte Gründe sind Umschuldung (18,49 %) sowie Wohnen/Modernisierung (11,61 %). Für klassische Anschaffungen wie Auto oder Motorrad werden hingegen nur 6,94 % der Kredite verwendet.
Diese Daten lassen darauf schließen, dass viele Verbraucher auf flexible Finanzierungen setzen und sich nicht auf konkrete Sachwerte beschränken möchten.

Fazit
Die Analyse von Better Compared DE verdeutlicht, dass mittlere Einkommen von 2.500 bis 3.500 EUR eine Schlüsselrolle im deutschen Kreditmarkt spielen. Gleichzeitig zeigt sich ein deutlicher Ausschluss niedriger und sehr hoher Einkommen vom Kreditzugang. Die klare Dominanz junger, männlicher Antragsteller ohne Immobilieneigentum legt nahe, dass finanzielle Flexibilität vor allem für jüngere Bevölkerungsgruppen eine wichtige Rolle spielt.
Andreas Linde, CEO und Finanzexperte bei Better Compared DE, kommentiert dazu:
„Die Zahlen zeigen, wie stark finanzielle Sicherheit über ein regelmäßiges Einkommen den Zugang zu Krediten beeinflusst. Unser Ziel ist es, durch Transparenz den Kreditmarkt fairer und zugänglicher zu gestalten – für alle Einkommensgruppen.“
Die regionale Verteilung und der Einfluss des Beschäftigungsverhältnisses zeigen, dass es keine einheitlichen Zugangsbedingungen gibt – sondern dass der deutsche Kreditmarkt stark selektiv funktioniert. Um dem entgegenzuwirken, sind klare Aufklärung und differenzierte Kreditprodukte essenziell.
